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Von Innen und Außen – ein bisschen Kulturwissenschaft

Von Innen und Außen – ein bisschen Kulturwissenschaft

„Das Mittelrheintal sucht einen Burgenblogger, der dann in Burg Sooneck einziehen darf. Sollte aber idealerweise jemand sein, der den Blick von draußen mitbringt, wenn er die Aussicht genießt oder sich die (sic!) auch mal Problemecken genauer anschaut.“

So heißt es in einem Facebook-post der Rhein-Zeitung vom 011.08.2014.

Beim Lesen der Sätze fiel mir ein Wort auf, dem ich genauer auf die Schliche kommen will: „Draußen“.
Was bedeutet es, wenn hier von „draußen“ gesprochen wird? Gibt es also auch einen Blick von „drinnen“? Natürlich, man weiß was gemeint sein könnte. Jemand, der eben nicht hier aus der Gegend kommt, oder jemand, der nicht hier wohnt, oder jemand, der nicht unbedingt Winzer ist, oder…? Weiß man wirklich was gemeint ist?

Da ich im Studium gelernt habe, vieles zu hinterfragen, muss ich dem Drang auch hier nachgehen. Schon im ersten Semester lernte man: Innen und Außenperspektive? Ach vergiss es. Neutralität? Ne. Gibt es nicht. In meinem einen Semester Ethnologie waren die ersten Wörter, die ich lernte „emisch“ und etisch“ (nicht ethisch), was auf kulturwissenschaftlich soviel heißt wie eine Beschreibung aus der Innen- und Außenperspektive, die natürlich möglichst neutral sein soll. Dass diese Begriffe so aber nicht mehr haltbar sind, oder eigentlich nie waren, lernten wir im nächsten Satz. Eigentlich hatte ich vor ein lustiges Fallbeispiel zu erfinden, eigentlich hatte ich es sogar schon alles geschrieben. Aber neben Grippegeistern die mich heimgesucht haben, wurde mein Blog wohl von Website-Geistern aufgesucht. Und nun, aus Trotz, habe ich keine Lust alles noch einmal zu schreiben! Vielleicht die Tage.

Fragen, die man sich bei Begriffen wie „Außenperspektive“ aber stellen kann, sind:

– gibt es wirklich ein in sich geschlossenes System, auf dem man von Außen drauf schauen kann? Die Mittelrheinländer an sich?
– Wie nah darf man dem „System“ kommen, um sich nicht plötzlich darin zu befinden? Wenn ich nun Freundschaft mit einem Winzer schließe…?
– Inwieweit wird der neutrale Blick nicht durch sowas wie „Sympathie zu den einzelnen Mittelrheinländern, Erziehung des Burgenbloggers und prägnante Erlebnisse im Leben des Burgenbloggers“ gelenkt? Vielleicht war die erste Liebe ja aus Bingen am Rhein? – und plötzlich ist Bingen die schönste Stadt der Welt, und der Blog-Eintrag über einen Tag dort fällt unglaublich positiv aus.
– – > Neutralität??? Gibbet eh nicht! Wir sind ja keine Maschinen (Und sogar da könnte man anfangen Abstriche zu machen).

Rheinauen

– macht eine Aufteilung in Innen und Außen überhaupt Sinn? Wo ist da der Mehrwert?

Man sieht wohl in welche Richtung der Text hier gehen soll. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn dieses Konzept des Innen und Außens aufrecht zu erhalten. Warum kann ich nicht vor der eigenen Tür beschreiben, was man mit allen Sinnen wahrnimmt, was ich schön oder hässlich finde, was besonders und warum? Beschreiben, Eindrücke aufschreiben, Menschen zu Wort kommen lassen, und das alles ganz offen. Das sollte einen guten Blogger doch vielleicht ausmachen, und nicht gerade der „Blick von Außen“.

Ich gebe zu, der Beitrag war etwas trocken heute. Aber was kann man schon erwarten, wenn Sinupret und Thymiankapseln zur Mahlzeit werden.  😀

allaaa,
eure totsterbenskranke Sinje

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