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Bodø/Nordland – (Polar)Licht, Dunkelheit und Perlmuttwolken

Bodø/Nordland – (Polar)Licht, Dunkelheit und Perlmuttwolken

Ja… ich weiß… ich bin wie immer im Verzug, dafür habe ich nun besonders viel zu erzählen.
Die Sommermonate habe ich damit verbracht nach Libellen und Urzeitkrebsen zu suchen, die Herbst und Wintermonate wiederum waren es Flusskrebse. Ich pendelte gestresst von A nach B und C und wieder nach A und habe die DB ein Stück weit intensiver kennen gelernt.

Nun aber ist alles anders.
Ich bin am 30. Dezember für ein halbes Jahr nach Norwegen nördlich des Polarkreises gestartet. Genauer gesagt hat es mich nach Bodø an die NORD University verschlagen.

Während Frühbucher für ungefähr 250 Euro nach Bodø und zurück kommen, konnte ich aufgrund der kurzfristigen offiziellen Zusage der Universität nur auf die teuren Flüge zurück greifen. So kostete ein Hinflug nun ~ 450 Euro. Ein guter Einstieg in das sowieso schon teure Norwegen (Ironie). Ich packte meinen großen Koffer, und den meiner Mutter, die mich für eine Woche begleitete, voll mit dicken Klamotten und diversen Krimskrams – auch Schokolade durfte nicht fehlen. Nach einer flotten Fahrt nach Frankfurt verabschiedete ich mich so schnell es ging von meinem Freund um nicht noch wehmütig zu werden und betrat das Flughafengelände.

Trotz dessen, dass ich schon oft geflogen bin, war es meine erste Begegnung mit dem Ganzkörperscanner. Ich hatte noch nie Probleme an der Handgepäckkontrolle, und musste bisher meistens nicht einmal meine Schuhe ausziehen, doch am 30. war alles anders. Mein Laptop wurde ausgesiebt. Okay, nicht so schlimm, dachte ich. Dann schaute mich die Dame von der Kontrolle ernst an und meinte sie würde jetzt einen Sprengstofftest durführen. Ich lachte mich innerlich kaputt und war gespannt auf das Ergebnis – es fiehl positiv aus. Mein Sprengstofflaptop! Dann musste ich meinen Personalausweis hervorholen und die Polizei wurde gerufen. Der Polizist lies etwas auf sich warten und ich lehnte grinsend am Kontrollband als er dann irgendwann kam. Das Gespräch mit der Autorität in Person sah wie folgt aus:

Wohin fliegen Sie? – Oslo (nicht gelogen, war ja mein erstes Ziel)
Wie lange bleiben sie? – ein halbes Jahr.
Urlaub? – Nein.
Studium? – ja.

Danach bekam ich meinen Laptop wieder, ohne dass der Herr diesen einmal in Augenschein genommen hatte. Ich wurde offensichtlich nicht als potentielle Attentäterin wahrgenommen.

Im Flieger hatte man eine großartige Aussicht auf mysteriösen Talnebel und es dauerte nicht lange bis wir in Oslo landeten.

In Oslo mussten wir die ganze Flughafenprozedur noch einmal durchmachen und kamen dadurch gerade so rechtzeitig zum Flieger nach Bodø.

Das Flugzeug war ziemlich leer und die Crew ziemlich nett. Da die Kotzbeutel theoretisch gute Frühstücksbeutel darstellen würden, packte ich meinen und den meiner Mutter direkt ein – hätte ich das mal gelassen.

Eine halbe Stunde vor dem Ziel wurde es plötzlich ziemlich turbulent. Sehr turbulent. Ehrlich gesagt hatte ich irgendwann ziemlich nasse Hände und war kreidebleich. Natürlich kannte ich Luftlöcher, aber so etwas kannten wahrscheinlich die Wenigsten im Flieger. Ab und an hörte man andere Leute tief einatmen oder erschreckt aufstöhnen. Wie Achterbahn, nur schlimmer. Ich ließ mir von meiner Mutter schnell das Tütchen vom leeren dritten Sitz in unserer Rheine geben und friemelte daran herum. WARUM GING ER NICHT AUF???? Mir ging es zu dem Zeitpunkt wirklich nicht mehr gut, und dann ging dieser Beutel nicht auf, und es war zu dunkel um zu erkennen woran es lag. Meine Mutter nahm ihn mir ab und riss ihn auf…zerriss ihn eigentlich hauptsächlich, aber das war mir dann auch egal (wenn es mir nicht so schlecht gegangen wäre, hätte ich wahrscheinlich über diese Situationskomik gelacht). Das bisschen Tüte das ich hatte, konnte ich dann zumindest nutzen…
Nunja. Auf jeden Fall landeten wir irgendwann zum Glück und ich sah beim raus gehen, dass ich nicht die Einzige war, der es nicht so gut ging.

Uns erwartete ein Miniflughafen. Und draußen: STURM. Man schaffte es kaum sich vom Fleck zu bewegen. Da wir uns für ein paar Tage Hotel entschieden hatte, machten wir uns auf den Weg dorthin. Der Taxifahrer fragte erst mal wo wir nach Bodø so hin wollten. Dass ich hier bleiben würde fand er…außergewöhnlich.

Im Hotel erzählte uns die Rezeptionistin, dass es zwar oft stürmt, aber das heute wäre sehr ungewöhnlich. Da hatten wir uns ja einen perfekten Tag zum Fliegen ausgesucht.

Bodø heißt sowohl die Stadt in die es mich verschlagen hat, als auch Gebiet um die Stadt herum. Sie liegt am Saltfjord, weswegen der Distrikt auch Salten genannt wurde. Die Provinz trägt den großartigen Namen Nordland und das Wappen bildet eine gelbe Sonne auf rotem Hintergrund. Gefällt mir.

Die nächsten Tage erkundeten wir die kleine Stadt am Hafen.

Da ich mich nördlich des Polarkreises befinde, geht derzeit die Sonne hier nicht auf, aber es wird zwischen 11 und 14 Uhr einigermaßen hell (nicht bei Bewölkung). Sowohl Schnee, als auch großartige Naturschauspiele wie polare Stratosphärenwolken / Perlmuttwolken lassen die Dunkelheit manchmal ziemlich schnell vergessen. Zudem kann man es sich mit Lichterketten und Kerzen sehr gemütlich machen. Aber das Bedürfnis nach Schlaf ist derzeit doch etwas größer.

An Silvester gingen wir auch mal was kleines Essen und konnten Norweger und Norwegerinnen sowohl in schicken Kleidchen, als auch in traditioneller Kleidung beobachten. Grundsätzlich würde ich mal die Behauptung in den Raum stellen, dass die Augenbrauen der jüngeren Norwegerinnen dunkler und stärker nachgezogen sind, als in Deutschland. Aber vielleicht ist das auch nur Einbildung (nein, ich glaube nicht).

Der Jahreswechsel gestaltete sich sehr laut, da die ganzen hohen Betongebäude den Schall der Raketen versetzt zurück warfen.

Das neue Jahr begann mit einem Schneesturm, was dazu führte, dass ich einen weg gewehten Schal am Hafen fand und auch eine Mütze erspähte. Ich fühlte mich direkt als Jäger und Sammler.

Irgendwann dann war die Zeit im Hotel vorbei und ich zog ins Studentenwohnheim Flatvold um. Dieses liegt nahe der Stadt, aber zur Uni dauert es eine halbe Stunde mit dem Bus. Während der Busfahrt kann man (wenn es nicht bewölkt ist) die schneebedeckten Berge bewundern. Eine Busfahrt ohne ermäßigte Fahrkarte kostet übrigens ungefähr 6 Euro. Auch, wenn man nur eine Haltestelle weit fahren würde. Deshalb hatte das kaufen meines monatliches Studententickets für mich höchste Priorität. Dieses bekam man allerdings nur mit Glück, wenn man noch keinen Studentenausweis hatte (was sich einige Tage hinzog).

Einen Tag vor Unibeginn schaute ich mir diese schon einmal an und war begeistert. Überall gemütliche Sitzecken, es gibt Pflanzen und die Architektur ist zwar verwirrend, aber toll.

Am ersten Tag dann war ich ganz verwirrt über die Mühe die sich alle gaben um einem den Einstieg so entspannt wie möglich zu machen. Man bekam Buddies und Rundführungen und alles erklärt was man nur so wissen wollte. Ziemlich vorbildlich. Man kann Ski und Sonstiges kostenlos leihen und es werden regelmäßig Veranstaltungen unternommen. Ich belege die Kurse marine biology, evolutionary behavoiural ecology und land and environment in the circumpolar world und finde diese jetzt schon großartig. Okay, der Polarkurs ist ein Onlinekurs, aber trotzdem spannend! Der Lesestoff und die Examen am Ende werden mich wohl ein wenig fordern, aber so muss das auch sein, wenn man was lernen will – besseres Englisch zum Beispiel.

Ich habe mir eine App installiert, welche mich mit Nordlichtalarm immer auffordert heraus zu gehen. Und was soll ich sagen: ich habe meine ersten Aurora Borealis gesehen! Und es ist überwältigender, als ich mir vorstellen konnte, fast gespenstisch. Vielleicht gibt es die kommenden Monate ja noch bessere Fotos. Schließlich muss ich noch üben.

Der Schnee nahm noch ein wenig zu und wir erklommen einen einen kleinen Berg nahe meines Wohnheims.

Das Licht ändert sich hier von Minute zu Minute und wenn man nicht aufpasst ist es plötzlich -13 °C, oder +3. Schnee, oder plötzlich Sturm, total klar, und dann aber Wolken. Ich mag das. Echtes Wetter.

Letzten Sonntag spazierte ich bei schon schmerzhaften Graupelschauern und starken Windböen, aber milden Temperaturen runter zum Industriehafen (wo auch ein paar Meter weiter die Hurtigruten ihren Anleger haben) und sah meinen ersten Otter. Okay, das Bild ist total unscharf, aber ein kleiner Beweis! Da Bodø die Stadt der Seeadler ist, werde ich sicher auch diese bald auf die SD Karte bannen.

Vielleicht werde ich die kommenden Monate einige Einblicke in meine Kurse geben und euch ein wenig bilden. Bildungsauftragsblog sozusagen.

 

eure Sinje

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