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Wanderlust, Getier, Genuss und Containerdrang

Wanderlust, Getier, Genuss und Containerdrang

Moin,

während im letzten Artikel der erste Sonnenstrahl zelebriert wurde, sind es mittlerweile zahlreiche Sonnenstrahlen, die die Gegend hier in großartigen Farben erstrahlen lässt.


Mit dem Ziel den Sonnenaufgang vom nächsten Berg aus zu beobachten, bin ich dann mal früh losgezogen, und musste feststellen, dass ich einen weiteren Berg in die Rechnung nicht mit einbezogen hatte. Dieser war nämlich genau im Weg. Aber das Licht war natürlich trotzdem toll. Oben packte ich erst Tee und Schokobrötchen aus und genoss dies nach dem kleinen Aufstieg besonders.

Abends wäre es theoretisch möglich den Sonnenuntergang von meinem Fenster aus zu beobachten, wäre da nicht dieses Gewächshaus. Ich weiß nicht was sich darin befindet, und generell ist das angrenzende Gelände etwas mysteriös. In einem Zwinger sind manchmal einige Hunde laut am heulen, was sich Nachts sehr nach Wölfen anfühlt.Neben Hunden die wie Wölfe klingen, bin ich im marine biology Kurs auch mit einem Seewolf und einigen Taschenkrebsen in Kontakt gekommen. Unsere Aufgabe war es die Tiere (und einige weitere) aus dem Netz zu friemeln und danach zu bestimmen.

Einige nahmen sich die Fische dann zum essen mit nach Hause (was ich super fand, so waren sie dann nicht ganz umsonst gestorben). Die Art und Weise wie seitens der Studenten allerdings mit einigen Taschenkrebsen umgegangen wurde, war meiner Meinung nach nicht ganz einwandfrei, da wurden den lebenden Tieren die Beine abgerissen, damit das Friemeln schneller ging etc. Das Verhältnis Mensch – Krebs, oder Mensch-Insekt (Krebse und Insekten gehören jeweils zu den Gliederfüßern) ist eindeutig nicht das Gleiche wie das Mensch-Hund-Verhältnis.

Vor einiger Zeit wurde ich zu einer Wanderung von der Uni, über den Keiservarden bis zu meinem Studentenwohnheim mitgenommen und stellte fest, dass das Schulleben der Kinder an denen wir vorbeikamen ziemlich spaßig aussah.

Trotz Elch-, Rentier und sonstiger Spuren haben wir das Getier dazu leider nicht gesehen.

Bevor man in Flatvold (meinem Studentenwohnheim) ankommt, geht es erst noch über den Rønvikfjellet.

Bei einer weiteren Wanderung in der Region um Mjelle fühlte es sich nach mediterraner Arktis an. Das Wasser ist hier überall sehr klar und der Schnee könnte auch weißer Sand sein. Irgendwann muss ich dann doch noch einmal ein paar Sekunden hinein hüpfen.



Diese seltsamen Eisformen haben sich nach und nach an einzelnen Grashalmen gebildet. Ein gutes Beispiel dafür, dass etwas Kleines eine Große Wirkung nach sich ziehen kann.

Wenn das mal nicht total toll ist! Sonne & Eiskristalle = Kunstwerk.

Hier nochmal mein Lieblingsgewächshaus. Hat auch was.

Die Uni organisierte vor ungefähr drei Wochen eine Höhlentour. Dabei musste man die Höhle erst mal erreichen. Der Eingang war relativ hoch gelegen und mit Schnee und Eis wurde es dann doch komplizierter als gedacht. Mit Eispickeln wurde das Eis angeraut, damit wir das letzte Stück noch erklimmen konnten, um dann in den Berg zu gelangen. Die ganze Höhle war voller Glimmer (Feenstaub!) und grotesken Formen und Farben.

In manchen Bereichen war der Boden leicht überschwemmt und mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Das Laufen, und jeweilige Brechen des Eises machte zudem tolle Geräusche.

Nach der Tour ging es dann den Berg wieder herunter. Bei großen Schneefeldern konnte man sich einfach runter kugeln lassen, bei den vereisten Wurzeln und Steinen allerdings holten sich so einige blaue Flecken oder verstauchte Knöchel.

 

 

 

 

 

An einem Abend entschied ich mich ein paar Anderen anzuschließen und in eine Bar zu gehen, in der an dem Abend ein Konzert stattfand. Die Bar hieß Dama di und trägt den Untertitel „Kunst, Kaos und Bar“. Diesem wird sie auch gerecht. Ich mochte die Einrichtung sehr. Teilweise schön skurril.  Da durfte Jesus natürlich nicht fehlen. Schön beleuchtet. Zum Thema Jesus, finde ich, passt dann auch das Bild daneben ganz gut (habe die Helligkeit herunter geschraubt, damit man sieht, was ich gesehen habe). Letztes Wochenende war ich ein bisschen unterwegs und dachte dann, ich hätte eine Halluzination. Die Sonne war schon am Horizont verschwunden, aber über ihr ging ein extrem heller Strahl in den Himmel. Außerirdische? Also die Sonne ist hier oben kann wirklich alles. Ich liebe sie.

Ich habe seit einigen Wochen so gut wie keine Lebensmittel mehr eingekauft. Das Containern erfreut sich hier großer Beliebtheit unter den internationalen Studenten. Und ich bin schon fast süchtig nach dem „Nachtshopping“. Containern heißt auf englisch übrigens Dumpster-diving. Also Container-tauchen, das fand ich relativ lustig als ich es das erste Mal gehört habe.Da Lebensmittel hier sowieso so teuer sind, kommt mir der Containertrend sehr entgegen. Da ich für alles Listen anfertige, habe ich derzeit auch eine Liste, auf der ich Lebensmittel aufgeschrieben habe, die ich mir erlaube zu kaufen (Mehl und Öl zum Beispiel). Ich habe außerdem eine Foodsharing -Gruppe gegründet, und bin total stolz, dass sie immer größer und auch genutzt wird. Meinen Lieblingsfund sieht man auf dem oberen Bild. Mein Zimmer gleicht gerade einer Blumenwiese, weil neben komplett guten Lebensmitteln auch Blümelchen weg geworfen werden. Über das Juristische bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Da gibt es von den norwegischen Studenten hier auch unterschiedliche Informationen. Aber es ist auf jeden Fall eher geduldet als in Deutschland. Durch den Essensüberfluss habe ich hier bestimmt schon einige Kilo zugenommen. Ich bin viel am Kochen und Backen und kann mich aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Zutaten sehr kreativ entfalten.

Vor ein paar Tagen wurden alle die wollten dann von einer schwedischen Studentin hier im Wohnheim zum Semla-essen eingeladen. Die kleinen Hefebrötchen sind mit Mandelmasse und Sahne gefüllt und gehören zum Fat Tuesday/ Fassnachtsdienstag in Schweden. Auch hier ist, wie in allen Rosinen- Milch- oder Schokobrötchen, Kadamon verarbeitet, was dem Ganzen einen relativ ungewohnten Geschmack verleiht.

Vom Nightshopping zum Thema „normales“ Shopping… hier in Bodø gibt es soooo viele Secondhand-Läden (Fretex, rote Kreuz, Brukt og nytt und einer direkt an Sentrum), da kommt man aus dem Stöbern gar nicht mehr heraus. Man bekommt eigentlich wirklich Alles dort – auch tolle Norwegerpulli wenn man Glück hat.

Ich habe mir übrigens die Haare abgeschnitten. Diese Information ist jetzt nicht sonderlich spannend, aber ich wollte euch daran teilhaben lassen, weil ich so begeistert bin (sooo weich).

Ach und es gab zwischenzeitlich des öfteren Nordlichter. Und ich werde nicht müde zu erwähnen: Wenn ihr Nordlichter fotografieren wollt, kauft euch ein Stativ! – und vergesst es nicht mitzunehmen, wenn ihr dann unterwegs seid, sonst sehen die Fotos aus wie meine und wo einmal ein Stern war sind plötzlich drei…

 

eure Sinje

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